Schloss Paulinum in Jelenia Góra

Pałac Paulinum, Jelenia Góra

Jesuitengut, Industrievilla, Schlosshotel

Oberhalb von Jelenia Góra im Hirschberger Tal liegt Schloss Paulinum, dessen Geschichte 1655 mit einem jesuitischen Landgut beginnt. Damals erwarb der Orden das Gelände südlich der Stadt im Umfeld der gegenreformatorischen Bestrebungen der Habsburger, die nach dem Dreißigjährigen Krieg den katholischen Einfluss in Schlesien festigen wollten. Aus dem Gut wurde der Paulinenhof – ein Name, der vermutlich auf den Ordensoberen Paul Kotting verweist.

Nach dem Übergang Schlesiens an Preußen im Jahr 1740 veränderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Die wirtschaftliche Basis kirchlicher Besitzungen wurde schrittweise eingeschränkt, bis die Aufhebung des Jesuitenordens 1773 auch das Ende der ordensgebundenen Nutzung markierte. 1810 fiel der Paulinenhof im Zuge der Säkularisation endgültig an den preußischen Staat.

Im 19. Jahrhundert erwarb der Hirschberger Textilunternehmer Richard von Kramsta das Gut und die umliegenden Ländereien und leitete damit eine neue Phase der Entwicklung ein. Er ließ ab 1855 auf dem Kreuzberg einen Landschaftspark anlegen, der das Gelände in eine weitläufige, bewusst komponierte Parklandschaft überführte. Wege, Felsformationen und Aussichtspunkte wurden so gesetzt, dass sie die Topografie nicht überformten, sondern betonten. Bei den Arbeiten kamen auch Relikte aus dem Dreißigjährigen Krieg zutage.

1872 entstand auf dem Gelände eine neue Residenz nach Plänen von Kurt Spate. Der Bau griff Formen der deutschen Renaissance auf und wurde von regionalen Handwerksbetrieben ausgeführt. Bis 1894 gehörte das Schloss zu den bedeutenden Landsitzen des industriellen Bürgertums im Hirschberger Tal.

1906 übernahm Oskar Caro, Generaldirektor eines oberschlesischen Eisenhüttenunternehmens, das Schloss. Nach seinem Rückzug aus der Unternehmensleitung ließ er die Innenräume durch den Breslauer Architekten Karl Grosser neu gestalten. Die äußere Erscheinung blieb weitgehend erhalten, während die Innenstruktur an die Wohn- und Repräsentationsbedürfnisse der Zeit angepasst wurde.

Der Danziger Salon im Paulinum

Danziger Salon, Schloss Paulinum, Jelenia Gora

Nach Caros Tod 1931 erfolgte die Übertragung an die Erben, 1933 die Weiterveräußerung an die Deutsche Arbeitsfront. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Hirschberger Tal als Ausweichstandort für ausgelagerte Bestände Berliner Museen, Bibliotheken und Institutionen. Auch Schloss Paulinum wurde Teil dieses Netzwerks von Depots, in denen Kulturgüter vor Luftangriffen geschützt werden sollten.

Nach 1945 erhielt das Gebäude eine neue Funktion als zentrales Sammellager für in Schlesien aufgefundene Kunst- und Kulturgüter. Darunter befanden sich sowohl deutsche als auch polnische Bestände aus unterschiedlichen Herkunftskontexten. Die Leitung übernahm Barbara Tyszkiewicz, die in der frühen Nachkriegszeit eine wichtige Rolle bei der Sicherung und Verwaltung der Bestände spielte.

1952 wurde das Schloss vom polnischen Militär übernommen und als Offizierskasino genutzt. In dieser Zeit kam es zu tiefgreifenden baulichen Veränderungen. Ein Brand in den frühen 1960er Jahren zerstörte große Teile des Dachwerks und des Treppenhauses. Der anschließende Wiederaufbau folgte nur noch eingeschränkt dem historischen Erscheinungsbild.

Nach dem Ende der militärischen Nutzung in den 1990er Jahren übernahm zunächst die staatliche Agentur für Militärliegenschaften ("Agencja Mienia Wojskowego", AMW) das Paulinum, 2002 folgte die Übernahme durch eine neu gegründete Gesellschaft. Seither wird eine denkmalgerechte Umnutzung als Hotel- und Kulturstandort verfolgt.

Schlösser und Herrenhäuser in Niederschlesien

Niederschlesien zählt noch heute weit über 1.000 erhaltene Schlösser und Herrenhäuser. Neben regulären Kaufangeboten verwaltet die Landwirtschaftsbehörde KOWR noch etwa 100 Objekte, die regelmäßig im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungen angeboten werden. Die meisten Liegenschaften im Bestand sind sanierungsbedürftig. Für Interessenten, die ein genehmigungsfähiges Nutzungskonzept vorlegen und innerhalb einer vertraglichen Frist Sanierungen durchführen, besteht jedoch die Option auf einen niedrigen Kaufpreis.

Weitere Porträts zu schlesischen Schlössern sind in den Publikationen von Arne Franke nachzulesen.


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